Hey Trullesand, wie was „Defizit“?

„Defizit“ ist ein Lieblingswort aus der DDR-Pädagogik und wurde mir als Jungpionier immer wieder unterstellt. Ich glaube in jedem Zeugnis von mir steht „Trullesand hat gute Anlagen, aber große Defizite in…“. Wenn es mir erlaubt ist, möchte ich dazu eins sagen: fuck off!

Ich persönlich schätze Defizite, zeigt es doch, dass du und ich noch nicht ganz so abgeklärt sind, wie wir uns meistens fühlen. Warum nicht ab und zu mal sagen: „nö, das weiß ich nicht“? Ich zelebriere Naivität ja richtig, ich finde es herrlich, mal so richtige Defizite zu haben und ich wünsche mir, für immer naiv zu sein und neugierig und innig.

Ich würde ja gern mal eine Oper schreiben, so richtig aus einem naiven Impuls heraus. Obwohl ich große Defizite in klassischer Komposition habe! Und allerlei andere Mängel auch! Das Ergebnis würde wohl als „naive Kunst“ abgetan werden. Dabei mag ich ja total naive Kunst. Nur wenn versucht wird, sie intellektuell aufzuladen, krieg ich die Krätze.

Wie du siehst, kann ich heute über das Wort „Defizit“ lachen und ich finde es eine herrliche Ironie, dass das jetzt Teil des Albumtitels wird. Defizit forever!

P.S.: Wenn Virtuosität Spannung ist, dann ist Defizit Entspannung. Kann man Kunst an sich nicht genau so definieren? Mal drüber nachdenken…